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Mrz
17
2016

Skiing Armenia – A Skiers Journey

geschrieben am 17. März 2016 von Marock

Warum Armenien?

Unsere diesjährige Skitourenreise sollte uns in den Süd-Osten des Kontinentes bringen, es war eine Reise in die schwarzen Berge von Montenegro geplant. Nach 3-maligen Reisen in den Norden (Island, Lyngen Alps & Lofoten) sollte es diesmal wieder ein anderer Reiseeindruck für uns sein. Wie in den heimischen Alpen war die Schneelage auf dem Balkan ebenfalls sehr schlecht und es zeichnete sich keine Besserung ab. Eine Woche vor dem geplanten Abflug nach Montenegro hat unser Veranstalter uns schweren Herzens leider Absagen müssen.

Was nun … der Doctor war leider zeitlich nicht flexibel genug die geplante Reise einfach ein paar Wochen zu verschieben und sich in aller Ruhe ein neues Ziel auszusuchen. Innerhalb von 3 Tagen war ein armenisches Reisebüro (Armenian Travel Bureau: www.atb.am) gefunden, die für unsere Minigruppe eine einwöchige Reise mit einem armenischen Bergführer (Gevorg Gasparyanwww.Arevi.am) und einem Fahrer nach unseren Wünschen organisiert hat. Die Flüge von München bzw. Wien nach Yerevan über Moskau mit der Aeroflot waren ebenfalls schnell organisiert und so war 3 Tage vor Abflug alles fixiert. (Übrigens: die Aeroflot erhebt für die Skisäcke keine Zusatzgebühren!). Nach der Ararat-Besteigung vor 8 Jahren war es sehr schön diesen Berg von der anderen Seite aus zu sehen. (Der Ararat ist aufgrund der derzeitigen politischen Lage gesperrt; wir kamen ihm bis an die Grenze zur Türkei ca. 8 km nahe.)

Skitouren Armenien – Traumskiberge zwischen Ararat und Kaukasus

Hajastan, nennen die Armenier ihre Heimat, „Land aus Stein“. Zerklüftete, schneebedeckte, erloschene Vulkane, von tiefen Schluchten durchzogene Lava-Plateaus, üppige Wälder und fruchtbare Flusstäler kennzeichnen das Gebirgsland an der Grenze von Europa zu Asien. Die gleichmäßigen, schneebedeckten Hänge der erloschenen Vulkane bieten ideale Bedingungen für Skitouren – ein Traum bei Firn und Pulver. Mögliche Tourenziele sind der Mt. Hatis, Mt. Tezhler und der Westgipfel (4.006 m) des höchsten Berges Armeniens, des Aragats. Einer der Skigipfel des Mt. Geghmakhan im Geghama-Gebirge stehen ebenfalls auf dem Programm.

In Armenien verbindet sich orientalische Lebensphilosophie mit einer tief christlichen Tradition. Seit über eineinhalb Jahrtausenden ist das Christentum Staatsreligion, Armenien ist somit das älteste christliche Land der Erde.

Reisende wie wir erwartet eine Fülle von Sehenswürdigkeiten: zahlreiche entlegene, Erhabenheit ausstrahlende Klöster – einige zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe – filigran gearbeitete, nur in Armenien vorkommende Kreuzsteine und wertvolle, kunstvoll gemalte, viele Jahrhunderte alte Handschriften. Einmal zu Besuch haben wir unserere Skitourenwoche mit den Kulturellen Besichtigungen kombiniert; nach der Skitour blieb noch ausreichend Zeit am Nachmittag die eine oder andere Sehenswürdigkeit zu besuchen.

Wer schon einmal in Armenien zu Besuch war, spricht mit Freude von der Herzlichkeit der Menschen, die trotz der schicksalsschweren Geschichte ihres Landes zugänglich geblieben sind und Gäste mit offenen Armen empfangen. Wir waren immer wieder sehr angetan wie gastfreundlich dieses Land seine Gäste empfängt.

Armenien liegt im Wesentlichen auf einem Hochplateau zwischen ca. 1.300 und 2.000 m und dem Tiefland um Yerevan bzw. im Süden zur iranischen Grenze auf ca. 1.000 m. Entsprechend unterschiedlich ist dann auch die Witterung. Während es in Yerevan bereits Frühling ist herrscht in den Hochtälern über dem Sevan See, dieser liegt auf ca. 1.900 m, noch tiefster Winter. Diese Hochtäler mit den Vulkanen erinnerten uns ein wenig an Island. Das Wetter in Armenien ist geprägt von sehr heißen Sommern und kurzen harten Wintern, mit teilweise sehr niedrigen Temperaturen und viel Schnee. Auch in diesem Jahr hat das Land ordentlich Schnee abbekommen und so fanden wir noch gute Schneeverhältnisse vor.

Die Skitourensaison geht von Januar bis Mitte März, anschließend frisst die dann schon kräftige Sonne, Yerevan liegt auf Höhe der Balearen, den Schnee auch wieder ziemlich schnell weg. Was bei uns der April ist, ist in Armenien der März. Hier wechseln sich warme sonnenreiche Tage mit Schneestürmen, Graupel und Gewitter ab. Dennoch bin ich der Meinung, dass es für Skitouren in Armenien der Zeitraum Anfang Februar bis Anfang/Mitte März der beste Zeitraum ist. Für „Steilwandfahrer“ dürfte Armenien nicht das geeignetste Reiseland sein, die zu findenden Anstiege/Berge sind doch sehr moderat, jedoch mit nicht zu unterschätzenden langen Anstiegen.

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2016-03-06 / Tag 1:  Ankunft am frühen Morgen in Yerevan , Transfer , Stadtrundfahrt 

Nach unserem Flug am Samstag-Abend über Moskau weiter nach Yerevan landet man sehr früh. Wie versprochen wurden wir am Flughafen von unserem Bergführer George abgeholt und ins Hotel (ein sehr gutes Haus in zentrumsnähe) gebracht. Wir haben uns noch eine Mütze voll Schlaf gegönnt bevor es nach einem verspätetem Frühstück auf eine Stadtrundfahrt ging. Hier hatten wir von unseren armenischen Veranstalter eine deutschsprachige Führung und einen eigenen Fahrer (der Vater von George, unserem Bergführer). Von einem Aussichtspunkt können wir die armenische Hauptstadt (gebaut auf 7 Hügeln) von oben betrachten. Da wir gutes Wetter haben zeigt sich in der Ferne der Berg Ararat mit seiner weißen Schneekappe!

Die Stadtbesichtigung bringt uns die wichtigsten Plätze des Zentrums nahe. Das Matenadaran Museum, das eine einzigartige Sammlung von alten Manuskripten beherbergt, konnten wir an diesem Tag nicht besuchen. Die Genozid- Gedenkstätte mit Museum stand ebenfalls auf unserem Programm. Mit einem guten Mittag- und Abendessen, die armenische Küche hat gegenüber ihrem Türkischen Nachbarn recht viel zu bieten, wurde der sonntägliche Besichtigungstag schön abgerundet. Die Reisgruppe Marock & the Doctor war sehr erfreut direkt vor dem Hotel 3 sehr gemütliche Weinlokale vorzufinden, deren Besuch sich ebenfalls lohnte. (Armenien ist selbst Weinproduzent mit recht guten Tropfen zu annehmbaren Preisen).

2016-03-07 / Tag 2:  Berg Ara 2.577 m und Besichtigung des Klosters Saghmosawank

Der Berg Ara mit seinen 2577 m ist nicht sehr weit entfern von der Hauptstadt Yerevan. Die Besteigung beginnt üblicherweise im Dorf Aragyugh. Bedingt durch die Schneelage war unser Start heut etwas weiter auf der Nordseite direkt neben der Straße. Über weite Flächen und anschließen leicht bewaldete Flächen steigen wir höher immer mit einem schönen Blick auf die naheliegenden Bergketten. Am Gipfel haben wir eine kurze Eintrübung durch aufziehende Wolken … dann endlich es klart komplett auf uns der Blick auf den Aragats (4.090 m) wird frei und in der Ferne ist auch der heilige Berg Ararat einschl. seinem kleinem Bruder zu sehen. Eine tolle Firnabfahrt belohnt uns für die Aufstiegsmühen. (HM= ca. 900 m). Unserem Wunsch hin besuchen wir am Nachmittag noch die Klosteranlage Saghmosawank bevor wir wieder zurück nach Yerevan fahren.

2016-03-08 / Tag 3:  Unbekannter Berg 3.300 m und Besuch des heidnischen Tempels von Garni

An diesem Tag wäre eigentlich der Berg Hatis mit seinen 2528 m geplant gewesen. Unser Bergführer hat uns jedoch aufgrund der herrschenden Schneelage empfohlen auf einen der Gipfel hinterhalb des Mont Hatis zu steigen. Oberhalb des Dorfes Kotayk erreichen wir unseren Ausgangspunkt für die heutige Tour auf ca. 2.000 m Seehöhe. Über freie Hänge geht es langsam unserem heutigen Gipfel Ziel entgegen, das wir nach ca. 1.300 HM bei bestem Wetter erreichen. Der Blick auf den Aragats und den Ararat (während des Aufstieges immer zu sehen) und die Täler Richtung iranischer Grenze sind wirklich atemberaubend schön. Eine wiederum tolle Abfahrt bei Pulver und Firn ist ein wahrer Genuss für uns in diesem recht schneearmen Winter. (1.950-3.250 m. HM= ca. 1.300 m)

Unser Fahrer empfing uns am Ausgangspunkt der Tour und diesmal ging es nicht zurück nach Yerevan sondern Richtung Garni, wo wir noch die Tempelanlage von Garni einen Besuch abstatteten. Die heidnische Tempelanlage von Garni ist ein einzigartiges Zeugnis der heidnischen Kultur Armeniens. König Trdat begann mit dem Bau der Tempelanlage im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt und der Tempel wurde dem Gott der Sonne gewidmet.

Direkt über einem Canyon (knapp 400 m tief) gelegen hat dieser Ort etwas magisches. Nach der Fahrt in den Canyon ging es noch zu einer wunderschönen Tempelanlage (ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe), eines der Meisterwerke des 13. Jahrhunderts armenischer Architektur. In dieser Klosteranlage hat uns George eine Kostprobe seines musikalischen Talents gegeben und uns in der Kirche gesungen … Gänsehaut-Atmosphäre!

Die Übernachtung erfolgte in einem Guesthouse in Garni (sehr gepflegt mit sehr guter Küche), wo wir ebenfalls wieder sehr freundlich aufgenommen wurden.

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2016-03-09 / Tag 4:  Kulturausflug Khor Virap / Noravanq Kloster / Areni vinery-Khor Virap

Dieser Tag ist der Kultur Armeniens gewidmet. Wir besuchen die Kulturstätten Khor Virap / Noravanq Kloster / Areni vinery-Khor Virap. Die Wichtigkeit dieser Anlagen und deren Bekanntheitsgrad als Wallfahrtsort ist.zurückzuführen auf Gregor den Erleuchteten, der hier von König Trdat III von Armenien gefangen gehalten wurde. Das Kloster befindet sich direkt vor dem Berg Ararat an der Grenze zur Türkei. Die nahegelegenen undurchdringlichen Grenzanlagen mit deren Wachtürmen vor dem mächtigen Berg Ararat sind ein etwas beängstigendes Zeugnis zum gestörten Verhältnis Armeniens zur Türkei. Von Armenien aus muss man den Umweg über Georgien wählen, um zum Ararat oder in die Türkei zu kommen. Der Genozid an den Armeniern ist überall ein Thema (von Österreich anerkannt, von der deutschen Regierung noch nicht!). Im Anschluß daran geht es weiter nach Süden zum Kloster Noravanq (12-15 Jahrhundert) und zum Weinbaugebiet nach Areni zur dortigen Vinery. Abendessen und Übernachtung war dann im Ort Byurakan wieder im Norden von Yerevan am Fuße des Berges Aragats in einem nagelneuen sehr schönen Hotel.

2016-03-10 / Tag 5:  Besteigung Arargats:  Aufstieg zur Meteostation

Der Aufstieg zum höchsten Berg Armeniens beginnt beim Dorf Byurakan auf einer Höhe von ca. 1.950 m Seehöhe. Das Schneemobil hat die Verpflegung und die Schlafsäcke für uns mit auf die Hütte genommen. Nach einem recht langem Aufstieg unterhalb der Wetterstation auf ca. 1.950 m erreichen wir nach 1.300 HM die Cosmic Ray Station (Station II) auf 3.250 m. Bedingt durch das sehr flache Gelände haben für diese Etappe, wir haben eine Strecke von 15,5 km zurückgelegt, gute 6 Stunden benötigt. Die Hütte ist sehr einfach ausgestattet aber zumindest beheizt, nicht vergleichbar mit der Meteo Station am Fuße des Kazbeg in Georgien die wir ja schon 2 mal genießen durften.  Nach einer Mütze voll Schlaf gab es ein einfaches aber ausreichendes Essen für uns, aufgepeppt mit echter italienischer Salami und mit 2 mitgebrachten Flaschen Areni-Wein. Von der Besatzung gab es dann noch die ultimative Wodka-Einladung mit anschließendem Tanz. Um fit zu sein für den nächsten Tag fielen wir dann auch müde in unsere Betten. (Das Bad blieb meinerseits ebenso unbenutzt wie das vorhandene Plumpsklo, man kann sich ja ein wenig einschränken).

 

2016-03-11 / Tag 6:  Gipfelbesteigung des Arargats:  Aufstieg zur Meteostation

Am heutigen Tag ist der Südgipfel des Aragats mit einer Höhe von 3.879 m unser Ziel. So wie die Karte gelesen habe, wird mit den Skiern immer der Südgipfel angegangen und nicht der West oder Nordgipfel des Aragats. Das Wetter hat an diesem Morgen nicht das gehalten was es versprach. Es War rel. windig und die Bewölkung nahm zu. Beim Aufbruch war die Sicht schon sehr schlecht, aber die Tour machbar. Graupel und dichter Neben begleiteten und die ca. 700 HM bis zum Südgipfel des Aragats auf 3.879 m. Eine große Gruppe aus Frankreich hat den Gipfel kurz vor uns erreicht; diese haben jedoch den Vortag nicht in den Beinen, weil sie sich mit dem Schneemobil bis zu Meteo Station haben fahren lassen. (mir völlig unverständlich ist, warum sich die Franzosen eine weitere Nacht auf der Hütte gegönnt haben … jedem das Seine). Vom Gipfel aus ging es bei schlechter Sicht aber guten Schneeverhältnissen wiederhinunter zur Hütte und dann weiter bis zum gestrigen Ausgangspunkt … eine Abfahrt mit ca. 1.900 HM. Nach einer kurzen Kaffeepause im Hotel ging es mit unserem Auto weiter Richtung Sevan See im Osten. Die Übernachtung erfolgte wiederum in einem diesmal sehr einfachen Guesthouse am Fuße des Sevan Sees auf ca. 2.000 Seehöhe.

2016-03-12 / Tag 7:  Gipfelbesteigung Sevsar im Vardenis Gebirge / Sevan See

An diesem Tag stand noch der Berg Sevsar 3.200 m auf dem Programm. Aufgrund der immer noch sehr wechselhaften Wetterbedingungen mit aufkommendem dichtem Schneefall und einem teilweise völligem Whiteout im Aufstieg mussten wir nach ca. 400 HM den Aufstieg abbrechen und mit den Skiern wieder zu unserem Fahrzeug zurückkehren.

Nach der halben Skitour besuchten wir noch den See Sevan, einer der größten Hochgebirgsseen der Welt. Der See liegt auf einer Höhe von 1.950 m über dem Meeresspiegel. Sevan ist berühmt für seine verschiedenen Arten von Fischen, insbesondere für den Ishkhan , das bedeutet „Fürsten Fisch“. Das Kloster Sevanavank aus dem 9. Jh., auf einer Halbinsel gelegen, wurde von uns an diesem Tag ebenfalls noch besucht wie das große Gräberfeld mit den eindrucksvollen Steinkreuzen. Anschließend ging es wieder zurück nach Yerevan in unser schon gut bekanntes Hotel in zentrumsnähe. Nach einem köstlich Abendessen und einem Besuch eines der Weinlokale in unserer Strasse ging es beschwingt und sehr spät ins Bett.

2016-03-13 / Tag 8:  Früh aufstehen und Fahrt zum Flughafen

Nach nur 3 Stunden Schlaf hieß es um 3 Uhr 15 aufstehen und sich fertig machen für die Abholung zum Flughafen. Um 6 Uhr morgens ging es via Moskau zurück nach München bzw. Wien das wir gegen Mittag erreicht haben (Zeitunterschied 3 Stunden zu Deutschland). Eine tolle erlebnisreiche Woche war zu Ende. Unser Dank gilt Georg unserem Bergführer und seinem Vater die uns sehr gut betreut haben in dieser Woche. Sowohl der Bergführer als auch das Reisebüro vor Ort können vorbehaltslos empfohlen werden.

Mit einem Zitat des russischen Schriftstellers Maxim Gorki bei seinem Besuch in Yerevan möchte ich diesen Bericht schließen:   „It is easier to climb Mount Ararat as to leave this enoteca (wine bar)

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