Interview mit Lukas Ruetz

Interview mit Blogger und Steilwandfahrer Lukas Ruetz

Kategorie: Aktuelles | eingetragen am 31. März 2015 von Christof Simon

lukas ruetz

Tourenwelt: Lukas du machst an manchen Saisonen 140 Touren und gesamt über 200.000 Höhenmeter. Du kennst mit deinen 22 Jahren mehr Berge im Kühtai als die meisten "alten Hasen". Wie bist du zum Tourengehen gekommen und was fasziniert dich am Meisten daran?

Lukas Ruetz: Die Geschichte ist lustig, das sollte eigentlich mein Papa erzählen. Ich war immer ein dickes, unsportliches Kind und habe mich nicht gerne bewegt. Ich bin nur gezwungenermaßen mit meinen Eltern am Berg mitgegangen. Mit 15 schließlich habe ich die alten Bergfotos meines Vaters durchgeschaut und fand es lässig, wie unser Dorf von oben ausschaut und hab mit dem Berggehen angefangen. Ein Jahr später hat mir mein Papa die Tourenausrüstung gekauft. Zuerst dachte ich mir: Skifahren mit dem Lift ist lässiger, da brauch ich nicht zu Fuß rauf gehen. Aber dann hat es mich doch fasziniert. Skifahren selbst hab ich eigentlich schon mit 3 Jahren gelernt. Ich stand zwischendurch zwei Jahre Snowboard, aber auch nur weil es alle gemacht haben. Skifahren war lange das einzige wo ich mich gerne bewegt habe (lacht). Beim Tourengehen hat mir am Anfang am meisten das Abfahren im unberührten Gelände gefallen. Irgendwann hat mir dann auch der Aufstieg getaugt. Inzwischen fasziniert mich am Meisten die Bewegung, weil ich einfach sehe, was der Körper leisten kann. Ich bin eigentlich fast nie krank, und wenn ich beispielsweise in den 6. Stock rauf muss, dann kann ich im dreifachen Tempo wie andere gehen und hab oben immer noch fast Ruhepuls. Das sind einfach angenehme Vorteile. Am meisten gefällt mir am Bergsport aber, dass ich meine Heimat kennenlerne. Wenn die "Alten" über den "Kroschpes" oder die „Achzehner“ reden, dann weiß ich mittlerweile genau, was gemeint ist.

Lukas Ruetz mit Mutter Rosemarie und Vater Engelbert in der Gaststube des Gasthaus Ruetz

Lukas Ruetz mit Mutter Rosemarie und Vater Engelbert in der Gaststube des Gasthaus Ruetz

Tourenwelt: Seit einigen Jahren erlebt das Steilwandfahren wieder eine Renaissance. Bekannte Alpinisten, wie Reini Scherer oder David Lama versuchen sich an extrem steilen Rinnen und Hängen. Du bist in diesem Bereich in den Bergen rund um St. Sigmund DIE Referenz. Was macht für dich die Faszination "Steilwandfahren" aus?

Lukas Ruetz: Da muss ich mit einem Zitat von Heini Holzer antworten: "Viele Steilwände liegen schon als Skiabfahrt hinter mir. Eine solche Abfahrt hat einen besonderen Reiz. Es ist beim Einfahren die Angst, während der Abfahrt der volle körperliche und geistige Einsatz, unten beim Einstieg der Blick nach oben, wo man die unglaubliche Wahrheit sieht, das Vollbrachte. Die Freude ist unbeschreiblich." Ich denke, so kann man das super stehen lassen. Im Normalfall steigt man den Steilhang, den man abfährt zuvor auch auf. Man kann sich das dann genau anschauen und sich vor Ort ein Bild der Verhältnisse machen, außerdem könnte sich ja irgendwo knapp unter der Schneeoberfläche ein Stein verstecken oder eisige Passagen vorhanden sein. Es gibt immer ein wenig Anspannung bei den ersten Schwüngen. Wenn man dann voll in der Abfahrt ist, ist das vergessen. Steht man unten und schaut hinauf, denkt man sich "Des war schon lässig!". Beim Abfahren habe ich einen anderen Ansatz als das aktuelle Freeride-Credo "Meine Line so schnell und so direkt wie möglich unter einmal durchziehen." Das kann man vielleicht in Alaska machen, wo es eine fünf Meter mächtige Schneedecke gibt und lockerer Pulver drauf liegt. Ich mach immer ein paar Schwünge, mach dann wieder Fotos. Und schließlich muss ich dann wieder mal auf den Hund warten (lacht). Ich lasse mir da eigentlich immer Zeit, mir läuft während so einer Abfahrt nichts davon.

Lukas Ruetz beim

Lukas Ruetz beim "Wedeln", seine bevorzugte Skitechnik. Foto: Jörg Brejcha

Tourenwelt: Wie bereitest du dich auf ein neues Projekt vor? Planst du viel schon im Vorhinein oder agierst du eher spontan?

Lukas Ruetz: Bei mir hat das eine extrem lange Vorlaufzeit im Vergleich zu anderen die ähnliches unternehmen. Ich hab mir oft gedacht diese und jene Rinne könnte man fahren, aber ich hab mich am Anfang meiner Tourenkarriere einfach nicht getraut. Aber wie ich mich intensiver damit beschäftigt habe und erkannt habe, dass es auch sichere Verhältnisse gibt, hab ich mich dann getraut. Wenn ich etwas fahren will, dann schau ich mir das auch immer im Sommer an und mache Fotos vom gegenüberliegenden Berg aus bzw. von möglichst vielen Blickwinkeln. Wenn möglich steige ich einmal im Sommer die Flanke/Rinne auf. Dann schau ich mir es noch mal im Winter an und warte bis die Verhältnisse passen. Am Tag vorher mach ich häufig eine „normale“ Tour wo ich nochmal die Abfahrt von weitem abchecken kann und entschließe mich das Projekt zu fahren oder nicht. Meist hat das also eine Vorlaufzeit von mindestens einem Jahr. Es gibt aber auch Abfahrten die ich schon seit Beginn meiner Tourenkarriere, also sechs Jahre, im Auge habe. Entweder haben die Verhältnisse noch nie gepasst oder es hat sich noch nicht ergeben. Vielleicht passt es irgendwann und wenn nicht, ist es auch egal. Rinnen sind verhältnismäßig weniger gefährlich: Wenn die Schneequalität nicht 100%ig ok ist, also kein Pulver oder guter Firn, dann ist das kein so großes Problem. Aber bei einer richtigen Flanke, wo sich darunter ein Abbruch befindet muss auch die Schneequalität perfekt sein und entsprechende Lawinengefahr bei super Schneebedingungen gibt es nicht sehr oft.

Der Jagdhund des Bruders ist oft Begleiter auf den Touren von Lukas Ruetz

Der Jagdhund des Bruders ist oft Begleiter auf den Touren von Lukas Ruetz

Tourenwelt: Du bist fast ausschließlich im Sellraintal und in Kühtai unterwegs. Denkst du manchmal auch an weiter entfernte Berge im Ausland oder gilt es für dich zunächst die Vielfalt der heimischen Berge zu erkunden?

Lukas Ruetz: Wie meine Blog-Leser wissen, bin ich am liebsten daheim unterwegs. Der Hauptgrund ist, dass wir im Sellrain (zwischen Grinzens und Ötz) zehn Seitentäler haben und es in jedem einzelnen wiederum mindestens 10 Tourenvarianten gibt. Dadurch hab ich über 100 Möglichkeiten, die ich in zehnminütiger Autofahrt erreichen kann. Was will ich mehr (lacht). Es ist einfach ein wunderschönes Tourengebiet. Natürlich gibt es ein paar interessante Sachen im Bereich der 6000er und 7000er, wo mich auch das Skifahren anspricht. Mein Vater war ja auch zwei 8000er, davon einen mit Ski und beim Dhaulagiri hat man ihm gesagt, dass der mit Ski nicht machbar sei. Er hat dann bitter bereut, dass er keine Ski dabei gehabt. Sie hatten dort so viel Neuschnee, dass Ski ein großer Vorteil gewesen wären. 8000er interessieren mich aber nicht, weil die sind „abgelutscht“. Auch das nicht beeinflussbare Risiko ist bei 8000ern zu groß. Aber auch in den Westalpen-Klassikern ist das meiste „abgelutscht“. Wenn, dann möchte ich was anderes machen, vielleicht ergibt sich was.

Tourenwelt: Ich kann mir vorstellen, dass deine Leidenschaft für Hänge jenseits der 40 Grad nicht bei jedem auf Verständnis stößt. Manche bezeichnen Steilwandfahrer sogar als lebensmüde. Was entgegnest du, wenn du so darauf angesprochen wirst?

Lukas Ruetz: Ich würd darauf antworten "Autofahren ist auch lebensmüde" (lacht). Aber es natürlich unbestreitbar, dass das Risiko größer ist als bei einer "normalen" Tour. Es ist aber auch so, dass man bei einem typischen 3er mit einem klassischen Altschneeproblem bei einer nordseitigen Tour wie zum Beispiel dem Zischgeles vom Lawinenstandpunkt her wesentlich gefährlicher unterwegs, als im Frühjahr bei super Firnverhältnissen um halb 10 am Vormittag eine südseitige Rinne abzufahren. Dessen muss man sich erst mal bewusst werden. Bei einer normalen Tour kann man natürlich nicht einfach Hinfallen, Wegrutschen und Abstürzen. Man muss halt schauen, dass man das Risiko von dem her auf ein subjektiv erträgliches Niveau bringt.

Lukas Ruetz ist fast ausschließlich in den Sellrainer Bergen unterwegs, gibt es in den Seitentälern doch noch so viel zu entdecken

Lukas Ruetz ist fast ausschließlich in den Sellrainer Bergen unterwegs, gibt es in den Seitentälern doch noch so viel zu entdecken

Tourenwelt: Auf deinem Blog beschreibst du Touren und dokumentierst sie mit Fotos. Aber du verrätst nicht immer, wo genau du unterwegs warst. Was ist der Grund dafür? Möchtest du "Nachmacher" vor möglichen Gefahren schützen oder ist dir wichtiger, dass gewisse Touren ihren unberührten Charakter beibehalten?

Lukas Ruetz: Der unberührte Charakter ist sicher der Hauptgrund dafür. Jeder, der so etwas fahren will, soll meiner Meinung nach selber die Augen auf machen. Fast in jedem Tal findet man auf den ersten Blick sicher gleich zehn steile Sachen, die man fahren könnte. Auch "Nachmacher vor Gefahren schützen" spielt eine gewisse Rolle. Es gibt einfach, wie so oft im Leben, viele Leute die Tätigkeiten ausüben, von denen sie keine Ahnung haben und es nur tun, weil es andere vormachen. Ich habe alle steilen Skiabfahrten mit Bergnamen unter Passwortschutz auf meiner Homepage. Immer wieder bekomme ich Anfragen wegen des Passwortes. Wenn man Referenzen oder einen guten Grund nennen kann, gebe ich es preis. Die meisten - hauptsächlich junge Leute - schreiben, dass das Steilwandfahren einfach so lässig und geil ist. Ich schicke ihnen darauf ein Schneeprofil zurück und frage sie nach dem „Problem“ dabei. Ich habe bis jetzt leider noch von keinem eine Antwort bekommen. Hinzu kommt, dass viele steile Abfahrten durch die letzten Rückzugszonen von Gämsen und Steinwild führen.

Es gibt zwischen Grinzens und Ötz zehn Seitentäler und in jedem einzelnen wiederum 10 Touren. Da hab ich über 100 Touren, die ich in 10 Minuten Autofahrt erreichen kann. Was will ich mehr.

Tourenwelt: Skitourengehen ist - speziell in diesem Winter - in der breiten Öffentlichkeit sehr emotional diskutiert worden. Man hat den Eindruck gewonnen, dass es fast kriminell sei, bei Gefahrenstufe 3 unterwegs zu sein. Man gefährde dabei noch unnötig das Leben von Bergrettern. Jetzt bist du einer, der fast immer unterwegs, aber eben auch sehr engagierter bei der Bergrettung tätig ist. Wie siehst du diese Entwicklung?

Lukas Ruetz: Leute, die solche Aussagen machen, haben keine Ahnung und sollten eigentlich erst mitreden, wenn sie sich mit der Materie beschäftigt haben. Es gibt bei einem 3er (Anmerk.: Lawinengefahrenstufe 3) genauso Hänge, wo es unwahrscheinlich ist, das etwas ausgelöst wird. Die Gefahrenstellen werden auch genau im Lawinenlagebericht beschrieben. Wenn man sich daran hält, fährt man schon mal sehr sicher. Es gibt aber genauso bei einem 1er stellen, wo es heikel sein kann und wo etwas ausgelöst werden kann. Sind diese bekannt, muss man sich einfach davon fernhalten.

Steckbrief Lukas Ruetz

Lukas Ruetz
Geburtsdatum: 18. Jänner 1993
Wohnsitz: St. Sigmund
Beruf: Student
Hobbys: Lesen, Hühnerzucht, Heimat- & Ahnen"forschung"
Sponsoren: Fischer Ski, Gloryfy, Schuh Sport Siebert
Trainer: keinen - Daddy als Mentor ;-)
Lieblingstour:Gleirscher Fernerkogel
Webseite/Blog:http://www.lukasruetz.at

Tourenwelt: Lukas, wer deinen Blog verfolgt, merkt bald, dass du das Risiko auf deine Touren genau einschätzt. Du schaust auch oft unter die Schneedecke und erstellst über die Wintersaison verteilt unzählige Schneeprofile. Wie hast du dir dieses Wissen angeeignet und wie hilft es dir bei deinen Touren?

Lukas Ruetz: Die Geschichte das zu ist auch ganz interessant. Ich hab mit dem Tourengehen begonnen und mein Klassenvorstand - ebenfalls begeisterter Sportler - hat mir dann Schnee- und Lawinenkunde als Geografie-Spezialgebiet für die Matura vorgeschlagen. Ich hab mir das kurz überlegt und dann zugesagt. Damals hatte ich noch nicht so viel Wissen zum Thema und bin eigentlich nur die Standardskitouren gegangen. Es hat mich dann voll gepackt und ich hab alles was ich gefunden hab, also jedes deutschsprachige Buch, jeden Essay, jeden Artikel und alles was ich im Internet gefunden habe, durchgelesen. Ich habe mir viel theoretisches Wissen angeeignet, aber das bringt natürlich nur wenig, wenn man es nicht praktisch umsetzen kann. Immer wenn ich danach unterwegs war, hab ich probiert das Ganze in der Praxis umzusetzen. Viel hab ich auch vom Vater dazugelernt. Am Anfang ging die Gefahreneinschätzung hauptsächlich vom Vater aus. Ich hab am Anfang - so wie die meisten - den Lagebericht nicht gescheit gelesen. Ich hab ihn schon gelesen, aber ich hab ihn nicht entsprechend umsetzen können. Am Anfang erkennt man vielleicht - wenn es gut geht - ein Triebschneepaket, aber nicht viel mehr. So hab ich dazugelernt. Ich hatte dann eine Basis und dachte mir, Schneeprofil graben wäre jetzt auch lässig. Ich hab ein paar Löcher aufgemacht und war begeistert, wie viele verschiedene Schichten dort zum Vorschein kamen. Über meinen Onkel, der bei der Lawinenkommission ist, hab ich mir das Schneebeurteilungsset besorgt. Wenn ich heute meine ersten, aufgezeichneten Profile anschaue, dann denk ich mir: „Katastrophe“. Es war am Anfang zum Beispiel schwierig etwas Kantiges von einer Schmelzform zu unterscheiden, aber da tut sich fast jeder anfangs schwer. Inzwischen bin ich Beobachter des Lawinenwarndienstes, weil meine Rückmeldungen im Laufe der Zeit die Situation immer besser wiedergegeben haben. Ich darf auch immer wieder mit Patrick (Anmerk: Patrick Nairz vom Lawinenwarndienst Tirol) mit und da lern ich immer extrem viel dazu. Mittlerweile sind die Profile recht gut von mir, aber bei weitem noch nicht perfekt. Mir taugt es auch Wissen über den Blog weiterzugeben, weil man findet – will man etwas tiefer eintauchen - schwer Informationen zur Thematik. Ich habe dafür sehr positive Rückmeldungen erhalten.
Mittlerweile sind ja alle Profile und Daten der Messstationen im Internet einsehbar. Allein schon anhand dieser Möglichkeiten, könnte man sich fast selber einen Lawinenlagebericht zusammenstellen. Das Profilgraben mache ich keinesfalls um einen einzelnen Hang einschätzen zu können, das funktioniert so nicht, sondern weil es mich interessiert und weil ich den Lawinenwarndienst etwas unterstützen kann. Ein Profil ist immer nur ein kleiner Mosaikstein von einem gesamten Bild. Außerdem verstehe ich so, warum und wo es dieses oder jenes Problem gibt oder warum es eben gerade sicher ist. Mir bringt das aber auch viel in der Zeit, wenn es keinen Lagebericht gibt, bei mir sind das immerhin drei Monate im Jahr wo ich ohne tägliche Gefahreneinschätzung des Lageberichtes auf Schnee unterwegs bin. Vor allem im Frühwinter kann sich schnell innerhalb ein bis zwei Wochen etwas Kritisches bilden.

Es bringt für Firmen wahrscheinlich mehr ihr Logo auf meinem Blog zu haben, oder die Produkte in Fotos zu sehen, als irgendwo ein Plakat aufzuhängen. Da wird einfach mehr Emotion transportiert.

Tourenwelt: Nochmal zurück zu deinem Blog. Du hast ja immer mehr Leser, wurdest vor kurzem von der renommierten Zeitschrift "Bergsteiger" interviewt und wirst inzwischen von Sponsoren (z.B. der Firma Fischer) unterstützt. Du hast mir mal gesagt, dass der Weg dorthin nicht immer ganz leicht war bzw. ist. Wie hast du es dennoch geschafft?

Lukas Ruetz: Das Hauptproblem war sicher, dass ich keine Wettkämpfe mache. Gesponsert wird nur, wer bei Freeride-Contests erfolgreich mitfährt oder Tourenrennen gewinnt. Sponsoring für jemanden der „nur“ Skitouren ohne Wettkampfcharakter macht, gibt es eigentlich nicht. Von daher war es schwierig. Ich hab mich selbst bei vielen Firmen gemeldet, aber bei den meisten hab ich nicht mal eine Antwort erhalten. Viele wissen einfach nicht, wie sie damit umgehen sollen. Mit einer gewissen Hartnäckigkeit, großer Motivation und Zufällen hat es schließlich geklappt. Auch der Blog hat da viel geholfen. Ich hab eine relativ große Öffentlichkeitswirksamkeit, vor allem hier in Tirol und im südbayrischen Raum, das ist natürlich auch interessant für Sponsoren. Es bringt für Firmen mehr ihr Logo auf meinem Blog zu haben oder die Produkte in Fotos zu sehen, als irgendwo ein Plakat aufzuhängen. Da wird einfach mehr Emotion transportiert und die Zielgruppe direkt erreicht.

Lukas bei Prüfen von Ski und Bindung

Lukas bei Prüfen von Ski und Bindung

Tourenwelt: "Skitourenlenkung" ist ein Begriff, der seit einiger Zeit im Sellraintal kontroversiell diskutiert wird. Während die einen von Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit sprechen, sehen es die anderen für einen gesunden Wildbestand notwendig. Du vertrittst ganz klar die Meinung der Jäger. Kannst du erklären warum?

Lukas Ruetz: Ja das kann ich, und zwar ganz genau (lacht). Da mein Bruder ein fanatischer Jäger ist - sicher noch fanatischer wie ich als Skitourengeher - sehe ich, dass das genauso ein Hobby ist. Es ist ja nicht so, dass Jäger nur Säufer sind, die sich vom Hund in das nächste Gasthaus ziehen lassen. Manchmal ist es berechtigt, dass Jäger verschrien sind. Trotzdem ist es genauso ein Hobby und ich finde sie sollten es genauso ausüben können, wie wir das Skitourengehen. Die Störungen sind einfach extrem. Zum Beispiel hab ich noch nie auf den Modeskibergen Zischgeles und Lampsen eine Gams im Winter gesehen. Das wäre aber ein ideales Einstandsgebiet. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass ein paar Hektar Schutzgebiete im Vergleich zu den hunderten Quadratkilometern Tourenraum keine Relevanz haben. Ich war vor ein paar Jahren mit meinem Bruder in der Schweiz. Dort war ein Hang als Schutzgebiet ausgewiesen. Wir zählten dort über 200 Stück Rotwild und links und rechts der Verbotszone war kein einziges Tier. Sie wissen genau, wo sie Ruhe haben und wo nicht. Aber es ist jetzt eh vom Tisch (Anmerk.: Es gibt jetzt zwischen Jäger, Grundbesitzer und alpinen Vereinen eine Einigung auf Lenkungsmaßnamen). Aber man muss sich inzwischen einfach politisch und gesellschaftlich entscheiden: Will ich einen gesunden Wildbestand haben oder will ich, dass jeder überall hin darf. Außerdem bin ich prinzipiell der Meinung, dass wir Bewohner des Tales, egal ob Jäger, Skitourengeher oder sonst wer, intern zusammenhalten sollten.

Tourenwelt: Lukas, was machst du, wenn du nicht gerade die Skier angeschnallt hast? Du bist ja Student, was studierst du genau?

Lukas Ruetz: Ich studiere Lehramt auf Biologie und Geografie. Ich studiere sehr gerne und im zeitlichen Rahmen, obwohl ich eher ein fauler Student bin (lacht). Ich bin sicher mehr als „nur inskribiert“, aber wenn das Wetter schön ist, sehen mich Vorlesungen eher selten (grinst), das zieht dafür oft lange Lernnächte mit sich, die es aber allemal wert sind. Vieles was im Blog auftaucht, habe ich aus dem Studium gelernt.

Tourenwelt: Lukas, was sind aus alpinistischer Sicht deine Ziele für die Zukunft?

Lukas Ruetz: Das bin ich jetzt schon ein paar Mal gefragt worden. Ich würde gern in meinem Gebiet alles, was irgendwie sinnvoll befahrbar ist auch fahren. Mit "sinnvoll" meine ich Abfahrten wo ich nicht dauernd Abseilen muss, dann queren und wieder Abseilen, sondern wo es wirklich ums Skifahren geht. Einmal Abseilen ist sicher ok, ich hätte ein paar Abfahrten im Sinn, wo das vorkommen könnte. Längerfristig würde ich gerne irgendetwas Hohes machen, aber da wird sich zeigen, was sich ergibt. Ein weiteres Ziel ist es, den jungen Leuten zu zeigen, wie schön "Wedeln" ist (lacht).

Ich habe Skifahren so gelernt, dass ich mit offenen Schnallen und im Walk-Modus über die Piste gefahren bin.

Tourenwelt: Weil wir gerade bei dem Thema sind. Du distanzierst dich ja ein wenig von dieser Freeride-Philosophie mit langen Schwüngen, möglichst schnell irgendwo eine Linie zu finden. Warum ist das so?

Lukas Ruetz: Ja ich distanziere mich ganz eindeutig davon. Obwohl ich dazusagen muss, dass es unter den Freeridern super Skifahrer gibt und einige von ihnen wirklich Ahnung von ihrem Fach haben. Aber es gibt eben auch einen großen Teil von Leuten, die nur recht und schlecht mitschwimmen. Und dann gibt es viele, die den Freeride-Stil fahren, weil sie nicht Skifahren lernen wollen. Einen lang gezogenen Schwung mit breiter Beinstellung kann man bald mal herzaubern. Stilistisch sauber Skifahren lernen ist einfach Arbeit, und viele wollen sich diese Arbeit nicht antun. Aber wie gesagt, wirklich gutes Freeriden muss auch gelernt werden und Stil hat nichts mit Können zu tun.

Lukas Ruetz beim Ausführen eines ECT (Extended Column Test) um als Beobachter des Lawinenwarndienst Tirol Schwachschichten in der Schneedecke zu entdecken. Foto: Patrick Nairz

Lukas Ruetz beim Ausführen eines ECT (Extended Column Test) um als Beobachter des Lawinenwarndienst Tirol Schwachschichten in der Schneedecke zu entdecken. Foto: Patrick Nairz

Tourenwelt: Was würdest du jemand raten, der ins Steilwandfahren einsteigen will. Lässt sich das lernen, was für Rüstzeug muss man mitbringen?

Lukas Ruetz: Man muss sicher gut Skifahren können. Weder perfektes Wedeln noch eine perfekte Freeride-Line sind notwendig, aber sicher am Ski stehen muss man. Vor allem nicht in Rücklage. Ich sehe immer viele junge Skifahrer die mit dem Schwerpunkt ganz hinten sind. Ich habe den zentralen Stand am Ski mit offenen Schnallen und im Walk-Modus beim Lifteln gelernt. Ich bin anfangs auch ewig lange in Rücklage gefahren. Aber ich hab dann selber erkannt: Ich fahre unzufriedenstellend und will es besser lernen. Und so habe ich mich gezwungen. Die ersten drei Mal ist es sehr unangenehm, beim vierten Mal geht's dann und beim 10. Mal fährt man eh schon, als wäre der Skischuh zu. Das ist eine super Möglichkeit die Gewichtsverlagerung zu üben. Irgendwann kommen dann auch die „Jumpturns“, die sollte man auch einwandfrei beherrschen. Oft ist es so eng oder so steil, dass man wirklich nur umspringen kann. Und man muss sofort wieder auf die Kanten kommen. Sonst wird man so schnell, dass man weg ist. Vor allem sollte das Steilwandfahren psychisch nicht zu belastend sein. Es gibt viele Leute die haben wirklich Angst, sie wollen es zwar machen, aber sie haben Angst. Und wenn du Angst hast, wirst du unsicher und Unsicherheit sollte man da einfach nicht haben. Man muss sich das zutrauen und vor allem die Situation einschätzen können. Wenn man einfährt, die Verhältnisse nicht ausreichend kennt und sich sagt "Hoffentlich pack ich das", glaub ich, ist das nicht der richtige Weg. Ist einfach wichtig, dass man sich mit dem Ganzen intensiv auseinandersetzt, seine Fehler erkennen will und sich darauf aufbauend verbessert.

Tourenwelt: Lukas, vielen Dank für das Interview.

Das Interview mit Lukas Ruetz führte Christof Simon.

weiterführende Links:

Blog von Lukas Ruetz: http://www.lukasruetz.at/
Gasthof/Pension Ruetz: http://www.gasthof-ruetz.at/

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